Freitag, 13. Januar 2017

soll ich in den betrieb einsteigen?

wenn junge menschen ihre ausbildung abschliessen, stellt sich oft die frage, ob sie sich in den beruflichen strukturen der eltern einbringen sollen. da geht es idr. um betriebe, praxen, büros oder kanzleien. unser schulsystem verabsäumt es sträflich, junge menschen auf konfliktpotentiale vorzubereiten. diese potentiale sind nicht auf familienbetriebe beschränkt. sie können vergleichbare konflikte haben, wenn sie eine arbeit im öffentlichen dienst übernehmen, in einem verein oder partei tätig sind oder in einem ganz normalen unternehmen arbeiten. darauf bereitet sie niemand vor.

stehen sie vor der entscheidung, in eine struktur zu wechseln, fragen sie sich immer: bin ich dort erwünscht? wenn sie diese frage nicht zweifellos mit ja beantworten können, finger weg! sind sie nicht sicher, halten sie sich immer eine zweite option unabhängig von der bestehenden struktur offen.

entwickeln sie respekt für die strukturen, in die sie sich einbringen! strukturen sind gewachsen. sie sind nicht zufällig so wie sie sind. systeme ändern sich mit jedem neuen mitglied, das eintritt. systeme sind immer stärker als einzelne oder neu eintretende mitglieder. wenn jemand der auffassung ist, er könne wie ein zauberer oder ein wunderwuzzi agieren, wird das nicht lange gut gehen.

systeme haben auch schwachstellen. einzelne mitglieder stören, indem sie ein fragwürdiges sozialverhalten an den tag legen. manche haben sogar eine toxische wirkung auf andere mitglieder. wenn in der letzten zeit auffällig viele leute das system gewechselt haben, sollten sie skeptisch sein.

sind fehler grundsätzlich nicht erlaubt, dann rate ich auch: finger weg!

sollten sie sich in einer struktur nicht wohl fühlen und entfalten können, steigen sie wieder aus, ziehen sie sich zurück. ist es nicht möglich ein problem offen und vorwurfsfrei anzusprechen, denken sie darüber nach, sich zurückzuziehen. ein mangel an kommunikation und konfliktkultur prägt leider viele systeme. wir lernen das ja auch nicht. möglicherweise haben sie glück und haben das in der familie gelernt, haben dort selbstbewusstsein entwickelt und können eine grenze ziehen, ab wann eine situation unerträglich geworden ist.

schreiben sie!

wenn sie das gefühl haben, die zahl an arschlöchern, die sie am hals haben, wird allmählich unerträglich, kann ich ihnen nur eines empfehlen: schreiben sie! das muss kein buch sein, es genügt ein zettel. schreiben sie einfach, was ihnen in den sinn kommt. was sie belastet. wie sie eine situation sehen. auch kleine notizen reichen schon.

schreiben sie oben auch ein datum drauf, und legen sie alles was sie schreiben in einem fach, einem ordner oder einem hängeregister ab. es könnte nämlich sein, dass sie diese zettel wieder einmal brauchen. es kann durchaus der fall eintreten, dass sie in vielen jahren oder sogar jahrzehnten bestimmte konflikte immer mehr belasten. ihr gedächtnis hat diese konflikte oft schon verdrängt. ihre seele spielt verrückt, und sie wissen nicht mehr warum. sie haben angst, wahnsinnig zu werden. grob können sie ihren unmut noch zuordnen, der rest ist tief vergraben. verdrängung ist übrigens auch ein schutzmechanismus.

ich empfehle ihnen, nutzen sie die möglichkeit, sich ihren ärger von der seele zu schreiben. sie müssen die zettel nicht sofort verbrennen, wie es manchmal empfohlen wird. nutzen sie die möglichkeit, das belastende aus ihrem kopf zu bringen und an einem ort abzulegen, wo sei gut aufgehoben sind.

narzissmus

der begriff narzissmus ist im bereich des generationskonflikts ein oft nicht unbedeutender faktor. die krankhafte selbstverliebtheit zeigt sich oft auch in formen, die wir nicht unmittelbar mit narzissmus verbinden. der selbstbemitleidungs-narzissmus macht das zusammenleben mit menschen enorm schwierig. sie lenken die wahrnehmung mit besonderer beharrlichkeit immer auf das eigene leiden. sie suchen förmlich nach bedrohungen und auch beleidigungen. eine weitere form ist der sündenbock-narzissmus. der betroffene braucht immer jemand, der für sein leid und alles andere schuld ist.

reinhard haller, einer der bedeutendsten psychologen in österreich hat sich intensiv mit dem thema narzissmus und seinen gesellschaftlichen folgen auseinandergesetzt. neben büchern sind auch viele youtube-videos im netz abrufbar. wenn sie probleme mir narzissten in ihrer umgebung haben, kann ich ihnen reinhard haller dringend ans herz legen.


was ist ein gutes leben?

was ist ein gutes leben? - diese frage unter anderem stellt roland düringer im rahmen seines sendeformats "gültige stimme" auf puls4. die frage ist naturgemäß schwierig, in jedem fall aber individuell zu beantworten. einen antwortversuch insbesondere wenn es um das zusammenleben in familien geht, bringe ich ein.

ein gutes leben ist, wenn menschen an deinem grab um dich weinen. ein schlechtes leben war, wenn sie denken, wieder ein arschloch weniger.

Donnerstag, 10. Juli 2014

einzelkind-syndrom

ist ihnen auch schon aufgefallen, dass einzelkinder manchmal ein auffälliges sozialverhalten an den tag legen? nicht generell, aber auffällig häufig.

aus sozialpsychologischer sicht spricht man von einzelkindern bei kindern, die alleine in einer familie aufwachsen und geschwistern, die mehr als 4 jahre altersunterschied zu anderen kindern aufweisen. dieses auffällige sozialverhalten hängt besonders vom sozialen umfeld des einzelkindes ab. wächst ein kind in einem weitgehend intakten umfeld auf, ist das sozialverhalten kaum auffällig. ein einzelkind mit bereits sozial auffälligen eltern weist jedoch eine sehr hohes auffälligkeitsrisiko auf.

wie sieht dieses auffällige verhalten in der praxis aus?

einzelkinder sind ...
... egozentrierter, bis zur egomanie
... weniger kommunikativ und kommunizieren schwerer mit gleichaltrigen
... weniger konflikterfahren, sie mussten sich nie mit geschwistern zusammenstreiten
... weniger belastbar und frustrationstolerant
... weniger zu selbstkritik und selbstbeobachtung fähig
... wesentlich anfälliger für psychische erkrankungen
... schwerer in der lage, eigenverantwortlich zu leben
... häufiger in overprotective familys zu finden
... durchsetzungsstärker weil egozentrischer
... eingeschränkter empathiefähig
... weniger in der lage in konfliktsituationen aus der situation herauszugehen, um den konflikt besser aufarbeiten zu können. ihr eltern- und kindheits-ich ist stark ausgeprägt, das erwachsenen-ich schwächer.

einzelkinder vererben ihr auffälliges sozialverhalten auch an ihre eigenen kinder. haben sie selbst mehrere kinder, kann dieses auffällige verhalten bei diesen auch zur gänze verschwinden, insb. nach der pubertät.

den ersten hinweis auf die einzelkind-problematik erhielt ich von dr. anneliese fuchs von der arbeitsgemeinschaft für präventivpsychologie. die besonderen eigenschaften von sog. mehrlingskindern führen dazu, dass bestimmte unternehmen nur mehr kinder aus mehrlings- und mehr-generations-familien beschäftigen. andernfalls müssen mitarbeiter ein sozial-schulungsprogramm durchlaufen.

eine bekannte (3. von 5 geschwistern) beschäftigt in einer apotheke hat mir dahingehend bestätigt, dass man mit kolleginnen mit geschwistern ziemlich problemlos zusammen arbeiten kann, während die einzelkinder regelrechte prinzessinnen auf der erbse seien.

eine weitere bekannte (2. von 3 geschwistern) erzählte mir, vor der entscheidung gestanden zu sein, ein oder zwei kinder haben zu wollen. sie habe nun 2 und stelle fest, dass ihre zwei erheblich unproblematischer sind, weil sie sich die meiste zeit miteinander beschäftigten. einzelkinder forderten ihre bezugspersonen wesentlich mehr, da sie ja sonst niemand haben. 

bei durchschnittlich 1,4 kindern pro familie überwiegen heute einzelkind-familien. durch die erhöhte anfälligkeit bei psychischen erkrankungen kommt auf unser sozialversicherungssystem eine neue belastungswelle zu. es ist nicht opportun, öffentlich über die einzelkind-problematik zu reden. man sagt uns, alle kinder seien gleich viel wert. sind sie auch. nur einzelkinder haben es eindeutig schwerer, ein glückliches leben zu führen. diesen anspruch auf glück sollten wir ihnen nicht vorenthalten. offen über dieses problem zu reden und strategien zu überlegen, wie auch einzelkinder ein glückliches und gesundes leben führen können, sollte daher gebot der stunde sein. auch wenn das mehrheitlich nicht gehört werden will.


Mittwoch, 9. Juli 2014

verantwortung

mit verantwortung und der schuldfrage gehen menschen unterschiedlich um. es gibt sog. eigen-verantwortliche und fremd-verantwortliche mitbürger.

der eigen-verantwortliche fragt sich bei einem problem oder einem konflikt in erster linie, inwieweit er selbst das problem mitverursacht haben könnte und was er selbst zur lösung des problems beitragen kann.

der fremd-verantwortliche fragt, wer an seinem problem schuld sein und wen er dafür verantwortlich machen könnte. er fragt auch, wo er eine lösung einfordern oder sich einen vorteil verschaffen könnte.

da mir keine statistiken dazu bekannt sind, kann ich nicht sagen, ob die einen oder die anderen überwiegen. das leben mit eigenverantwortlichen menschen ist aber um ein vielfaches unkomplizierter. politisch werden jedoch eher die fremdverantwortlichen besser bedient. man kann sie auch besser für dumm verkaufen.

vor einiger zeit ist mit eine geschichte untergekommen, die mich auf den obigen gedankengang aufmerksam machte. stellen wir uns vor, ein mensch hat ein problem mit sich selbst. da ist niemand anderer in irgendeiner weise involviert. dieses problem wäre für einen eigenverantwortlich denkenden auch zumutbar lösbar. interessanterweise wird aber die schuld an einen sündenbock delegiert. ob das eine schlecht funktionierende strategie oder ein durch erfahrung erworbenes verhaltensmuster ist, kann ich nicht beurteilen. es ist jedenfalls eine kontraproduktive strategie. und der sündennbock spielt mit, so lange ihm dieses spiel nicht bewusst ist.

dieses spiel funktioniert in jeder konstellation. chef - mitarbeiter, vater - sohn, mann - frau. 

Sonntag, 2. Juni 2013

glücklich sein - keine leichte aufgabe?

immer mehr medien setzen sich mit dem thema "glück" auseinander. in manchen schulen ist es sogar schon ein unterrichtsfach.

warum gibt es menschen, die glücklich und solche, die unglücklich sind? kann man immer nur glücklich sein? wie macht man es, glücklich zu sein? wie äußert sich glücklich-sein? kann man glücklich-sein erlernen?

these 1

glück nehmen wir nur wahr, wenn wir auch das unglück kennen. es kann sich um selbst erlebtes unglück handeln aber auch um durch erzählungen oder medien vermitteltes. aus der wahrnehmung dieses unglücks können wir den schluss ziehen, dass es uns im vergleich dazu sehr gut geht. wenn ich unglück ignoriere und nicht sehen will, kann ich glück auch schwer als solches wahrnehmen.

these 2

glück wird ganz verschieden wahrgenommen. manchmal ist es ein rausch von glückshormonen, manchmal ein gefühl von zufriedenheit, ruhe und entspannung. möglicherweise verursacht auch ein adrenalinschub zb. beim bungee-springen glücksgefühle.

these 3

menschen sind abgesehen von schwierigen situationen wie trauer, konflikten und dergleichen unglücklich, weil sie das überhandnehmen von unglücksgefühlen nicht verhindern können. wenn ich meinen blick immer nur auf negatives richte, kann das nur negative emotionen auslösen. erst wenn mir bewusst ist, dass ich das negative akzeptieren kann, aber meinen blick auch auf das positive richten muss, können sich angenehme und positive gefühle einstellen.

these 4

eine der wichtigsten glücksfaktoren ist die fähigkeit des menschen, mit seinen emotionen in einer art umzugehen, die glücksgefühle zulassen und unglücksgefühle beherrschen. dazu gehört es, unglücksgefühle zuerst mal zuzulassen. darüber hinaus ist es wichtig, den unglücksgefühlen auf den grund zu gehen. warum geht es mir schlecht? ich habe zb. jemand verärgert. ich ärgere mich, weil mein nachbar ein größeres auto hat. ich bin übers ohr gehauen worden. ich hab vergessen, milch einzukaufen. ich fühle mich zu wenig beachtet.

einige solche unglücksgefühle sind sofort lösbar. ich rufe an und entschuldige mich.

ich sorge dafür, dass mir wieder genug aufmerksamkeit zu teil wird.

fallweise ziehe ich daraus eine konequenz. ich schreib mir das auf, damit ich es das nächste mal nicht vergesse.

wie groß ist eigentlich der schaden? nur 50 cent? eigentlich kein grund zum ärgern.

wer zwingt mich eigentlich dazu, mich darüber zu ärgern? warum soll mein nachbar kein größeres auto fahren? meins kostet nur halb so viel, das gefällt mir.

liegt es nicht in unserem ermessen, ob wir in erster linie mit unserem eigenen auto zufrieden sein wollen oder unzufrieden, weil ein anderer ein besseres oder größeres hat? daraus resultiert ...

... these nummer 5

glücklich zu sein setzt die fähigkeit voraus, mit unseren emotionen (guten wie schlechten) bestmöglich umgehen zu können.